Grünes Klassenzimmer - unnötig und teuer

29.05.2009 - 12:00:00

Grünes Klassenzimmer - unnötig und teuer

Heftige Kritik von SPD-Europawahl-Kandidatin Kerstin Westphal an neuem Umweltbildungsprojekt

„Das Grüne Klassenzimmer ist eine Ohrfeige für alle, die sich seit Jahrzehnten um die Bildung und die Schullandheime in der Region gekümmert haben.“ Diese heftige Kritik übte die Schweinfurter SPD-Kandidatin fürs Europaparlament, Kerstin Westphal, bei einem Besuch im Schullandheim am Bauersberg.

Damit machte die SPD–Politikerin die Kritik des Schullandheimwerks öffentlich, da bisher ausschließlich positiv über das „Grüne Klassenzimmer“ berichtet worden sei. Derzeit verbringen drei vierte Klassen aus Schweinfurt eine Woche am Bauersberg. Rüdiger Stäblein, als Beirat für das Schullandheim Bauersberg im Vorstand des Schullandheimwerks Unterfranken und als Lehrer der Julius-Kardinal-Döpfner-Schule derzeit am Bauersberg, hat Westphal eingeladen, die Schüler zu besuchen. Für Westphal ist der Bauersberg kein unbekanntes Terrain, die Erzieherin verbrachte dort Freizeiten mit Gruppen und nutzte nun die Gelegenheit, sich die neue Wasserschule zeigen zu lassen. Das Schullandheim Bauersberg liegt Westphal am Herzen, daher möchte sie auf Gefahren aufmerksam zu machen, die dessen Fortbestand gleich von mehreren Seiten bedrohen. Die Stadt Schweinfurt müsse endlich erkennen, was für ein Juwel sie am Bauersberg besitze. Im Grunde habe sie hier seit Jahrzehnten ein grünes Klassenzimmer in der Rhön, das, in den Schwerpunkten Geografie und Geologie, über langjährige Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg verfüge. Leider werde dieser Schatz von der Stadt Schweinfurt nicht gebührend gewürdigt, so Westphal.

Um am Bauersberg eine zukunftsorientierte Arbeit auf Dauer leisten zu können, seien Investitionen unumgänglich. Als Bauträger des Schullandheims könne sich Schweinfurt nicht aus der Verantwortung stehlen. Konkret sprach Westphal den Bau der dringend benötigen Mehrzweckhalle an. Doch in der Schweinfurter Stadtführung stoße das Schullandheimwerk auf taube Ohren. Und nun komme mit dem Grünen Klassenzimmer in Oberelsbach ein Konkurrent hinzu, der in den Augen der SPD-Europakandidatin völlig überflüssig ist. Rüdiger Stäblein ergänzte, dass im Landkreis Rhön-Grabfeld mit dem Schullandheim Rappershausen (Schwerpunkt Ernährung und Radsport), dem Bauerberg (Schwerpunkt Geologie) und der Thüringer Hütte (Schwerpunkt Schöpfung und Energie), drei Schullandheime mit hervorragender Infrastruktur existierten. Die Häuser verfügten über hohen technischen und pädagogischem Standard, über sorgfältig ausgewählte Themenschwerpunkte und eine Vielzahl von Freizeiteinrichtungen.

Nun kämpfen die Schullandheime ohnehin um ihren Bestand, da die Schülerzahlen sinken und es immer weniger Schulklassen gibt, die Schullandheime buchen, auch lasse der Leistungsdruck weniger Raum für sozial-integratives Lernen und immer weniger Eltern seien bereit bei knappen Haushaltsbudgets dafür Geld auszugeben.

Komme nun ein weiterer Anbieter wie das Grüne Klassenzimmer hinzu, werden die Schullandheime wohl am Ende das Nachsehen haben, da die Angebote artverwandt seien und die wenigsten Klassen zwei Aufenthalte buchen. Westphal sprach sich klar für den Erhalt der bestehenden Einrichtungen aus. Es seien genügend Angebote und Unterkünfte vorhanden, so dass kein weiteres Schullandheim gebraucht werde.

Mit Verwunderung berichtete Stäblein, dass bisher Bedenken zum Grünen Klassenzimmer kaum öffentlich gemacht wurden. Es gehe nicht nur darum, dass ein weiteres Schullandheim unnötig sei, sondern auch um die Frage, was in neun Jahren passiere, wenn die 90-prozentige Förderung für das Grüne Klassenzimmer wegfalle.

Zwar sei die Rede davon, die bestehenden Schullandheime einzubinden, doch vermisst Stäblein ein umsetzbares Konzept. Das Konzept des Grünen Klassenzimmer enthalte leere Worthülsen, allenfalls symbolträchtige Schlagworte, ohne Bezug zu dem, was der Lehrplan fordere. In den Schullandheimen seien diese Dinge längst entwickelt worden.

Auch Westphal gab zu bedenken, dass der Bauersberg durch das grüne Klassenzimmer möglicherweise sterbe. „Aber das würde der Stadt Schweinfurt noch in die Hände spielen.“ Sie fordert stattdessen, die Mittel aus dem Konjunkturpaket II nicht für die Schaffung einer neuen Einrichtung, sondern in bestehende zu investieren. Ihre Kontakte in der SPD wird sie nutzen, um die Problematik in den Bayerischen Landtag zu tragen: „Die Schullandheime darf man nicht fahrlässig aufgeben.“

Überhaupt übte sie Kritik an der Höhe der Gelder, die für das Grüne Klassenzimmer aufgewendet werden. Von „Unsummen“, sprach die Schweinfurter Politikerin, die woanders besser angelegt wären.

Quelle:

Zeitungsartikel aus der Mainpost
vom 29.05.2009

Die Schweinfurter SPD-Kandidatin fürs Europaparlament, Kerstin Westphal (mitte), bei ihrem Besuch im Schullandheim am Bauersberg, im Gespräch mit Claudia Langenhager (Carl-Sonnenschein-Schule, Schweinfurt) und Rüdiger Stäblein (Julius-Kardinal-Döpfner-Schule).

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