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08.02.2008 - 12:00:00
Lehrer lernen am Schullandheim Bauersberg die praktischen Seiten des Lebens
BISCHOFSHEIM Immer dichter werdende Stundenpläne, deren zunehmende Inhalte in immer kürzerer Zeit vermittelt werden: Der Druck, dem vor allem Schüler ausgesetzt sind, wächst zusehends. Und vieles von dem, was in den Lehrbüchern steht, hat mit der Wirklichkeit nicht das Geringste zu tun. "Doch wie funktioniert das Leben?" Mit einem Teil dieser Frage beschäftigen sich die Schullandheime. Dafür müssen aber erst einmal die Lehrer die "Schulbank" drücken.
Doch Schulbänke sind, wie im Falle eines Lehrerseminars mit 29 Pädagogen aus ganz Unterfranken, das jetzt am Schullandheim Bauersberg gehalten worden ist, gar nicht vorhanden. Unterweisungen finden im Wald, mit dem Schweißbrenner oder im Sandkasten und am ausrangierten Aquarium statt.
"Anschauliches Lernen durch Anfassen und eigene Erfahrung", beschreibt Klaus Grübel, Leiter der dreitägigen Veranstaltung, die Verfahrensweise, mit der Kinder Vorgänge in der Natur auf spielerische Weise vermittelt werden. Dabei werden Prozesse, Erscheinungen und Vorgänge der unmittelbaren Lebenswelt behandelt, Dinge also, zu denen die Kinder einen Bezug haben.
Da ist zum Beispiel ein Sandkasten. In der Mitte eine kegelförmige Erhöhung. Mehrere Lehrer stehen kichernd um das Spielgerät herum, eine Pädagogin pumpt auf einer Fahrradpumpe. Plötzlich fliegen an der Kegelspitze Sandteile herum. "Ein Vulkanausbruch", erklärt Grübel, ein Vorgang, wie er vor Tausenden von Jahren in der Rhön vorgekommen ist.
Was dabei mit dem Gestein geschieht, wird mit einem Schweißbrenner nachgestellt. Verschiedene Steinarten werden auf Temperaturen um die 1.000 Grad erhitzt, um zu zeigen, wie sich die Gestalt verändert und welche Reaktionen eintreten.
An einem Aquarium wird das Entstehen von Regen simuliert, wie Wasser erwärmt wird, verdampft und an einer kühlen Abdeckung sich niederschlägt, bis es irgendwann abtropft. Daneben ein Schaubecken, das demonstriert, wie Wasser in der Erde versickert und wieder zu Tage tritt.
Draußen auf dem Schulhof ist gerade eine Einweisung einer Gruppe, die den Umgang mit GPS und Kompass zur Orientierung in der Natur übt.
Insgesamt werden zehn Themen angeboten, erklärt Grübel weiter. Die Teilnehmer sollten ihren Schwerpunkt auf drei Bereiche setzen, in die sie dann intensiv eingewiesen werden. Dazu steht neuerdings auch die Geographin Nicole Hofmann zur Verfügung, die zum Anfang des Jahres vom Schullandwerk Unterfranken für die Einrichtung am Bauersberg angestellt worden ist. Sie wird bei dem Seminar von einer 15-köpfigen Arbeitsgemeinschaft unterfränkischer Lehrer unterstützt, die die einzelnen Einweisungen vornehmen.
Durch eine Kooperation mit der Uni Würzburg stehen auch immer wieder Studenten aus den Bereichen Geographie und Geologie zur Verfügung. Das Erlernte können dann später die Lehrer an ihre Schüler weitergeben. Das Seminar findet einmal im Jahr statt, wegen der steigenden Nachfrage bei Lehrern wird überlegt, ob demnächst zwei Termine angeboten werden sollen.
Zu Grübels Bedauern werden die Angebote auf dem Bauersberg allerdings von den Schulen noch zu wenig angenommen. Es gibt Schulen, wie das Gymnasium von Münnerstadt, das regelmäßig das Schullandheim nutzt, andere Schulen im Landkreis Rhön-Grabfeld seien da viel zurückhaltender. Dabei gebe es die Möglichkeit für mehr- oder nur eintägige Aufenthalte, bei dem zum Beispiel nur ein Thema behandelt wird. "Die Schüler, aber auch die Lehrer, werden dabei tolle Erfahrungen machen," versichert Grübel.
Quelle:
Zeitungsartikel aus der Mainpost
vom 08. Februar 2008
Mit dem Schweißbrenner demonstrieren die Referenten Christa Jandausch und Klaus Grübel die Wirkung großer Hitze auf verschiedene Gesteine der Rhön. - Eine von vielen Untersuchungsmöglichkeiten, die die Lehrkäfte anschließend im Rahmen der Fortbildung selbst ausprobieren können.