Durch Cajonbau zum Experten für Arbeitsverfahren

10.07.2011 - 12:00:00

Durch Cajonbau zum Experten für Arbeitsverfahren

Studierende der Arbeitslehredidaktik an der Uni Würzburg erlebten die Praxis einer arbeitsteiligen Produktion auf einem Blockseminar im Schullandheim Bauersberg

SCHULLANDHEIM BAUERSBERG/BISCHOFSHEIM A.D. RHÖN  Vom 8. Juli bis 10. Juli fanden sich 52 Studierende der Arbeitslehredidaktik mit ihren Dozenten Sarah Brimer und Dr. Peter Pfriem im Schullandheim ein, um in den Werkräumen und im Studienhaus 40 Cajons herzustellen und 20 Fahrradsattel-Überzüge zu nähen. Konkret ging es dabei für die angehenden Mittelschul- und Förderschullehrer / -lehrerinnen darum, die Grundlagen der „integrierten Arbeitsgestaltung“ auch in der Praxis zu erleben und eine arbeitsteilige Fertigung nach dem System der Werkstatt- und der Fließfertigung zu gestalten und zu reflektieren. Die beiden inhaltlichen Schwerpunkte dieses Blockseminars waren zunächst die Vermittlung von Grundwissen aus dem Bereich der Arbeitswissenschaften und der ökonomischen Bildung. Daneben sollte das Blockseminar einen Beitrag zur Vorbereitung auf die spätere Realität der Unterrichtspraxis in den Fächern Arbeit-Wirtschaft-Technik an der Hauptschule sowie Berufs- und Lebensorientierung am Förderzentrum leisten. Die Durchführung von lehrplangemäßen Projekten wie „Produzieren für einen Markt mit Hilfe technischer Verfahren“ oder die Betreuung von Schülerfirmen an Praxis- und Werkstatttagen erfordert neben einer Menge theoretischer Kenntnisse auch einen Grundstock an Praxiserfahrung im Bereich Arbeitsvorbereitung, Materialwirtschaft, Arbeitseinteilung, Produktionsüberwachung und Kalkulation.


Das Schullandheim Bauersberg bietet seit Jahren die geeignete Lernumgebung für solche Projektseminare und ist als „außeruniversitärer Lernort“ nicht nur für Geografen im Sinne der Schwerpunktsetzung als „Studienhaus Geographie-Geologie“, sondern auch für die Arbeitslehredidaktiker bestens geeignet. Der hauseigene Werkraum im Nebengebäude, die für dieses Projekt „zweckentfremdeten“ Räume der Wasserschule und die Räume des Studienhauses sind hervorragend geeignet, im Sinne des Lernziels „Arbeiten für einen Markt“ in Klein- und Großgruppen, in Einzelarbeit und im Plenum das zu Grunde liegende theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen. Bei dieser komplexen Arbeit steht auch die Heimleitung immer mit Rat und Tat zur Seite und ermöglicht durch unbürokratisches, flexibles Handeln immer eine angenehme Atmosphäre und ein erfolgreiches Umsetzen der Projektidee.


Im konkreten Fall hatte eine Sonderberufsschule aus Mainleus in Oberfranken die Sperrholzbretter für Rahmen, Schlagfläche und Resonanzboden auf Maß gesägt. Über 40 Studierende fertigten die innen liegenden Befestigungsleisten an, leimten und schraubten sie mit den entsprechenden Brettern zu Teilkomponenten zusammen, montierten Gummifüße und Snare-Teppiche für den typischen Klang der Cajons, leimten und schraubten die Bauteile zusammen und sorgten schließlich in gefühlvoller Handarbeit durch Schleifen und Kanten brechen für das richtige Finish der „Trommelkisten“. Das Vorwissen hatten sich die Studierenden aus der Lektüre arbeitswissenschaftlicher Texte und aus der Analyse einer Präsentation geholt, welche mit Hilfe von Fotos und Begleittexten die geplanten Arbeitsschritte demonstriert. Einen Vorschlag zur Einteilung von Arbeitsgruppen, zum Ablauf der jeweils erforderlichen Tätigkeiten und zur Reihenfolge der Produktionsschritte lieferten die Teilnehmer/innen bereits schriftlich zu den Vortreffen für das Blockseminar in Seminarräumen der Universität. Die benötigten Hand- und Elektrowerkzeuge stammten teilweise aus dem Fundus des Schullandheims; viele wurden von den Studierenden und den Dozenten mitgebracht und zur Verfügung gestellt.


Eine zweite Gruppe fertigte aus beschichteten Textilien, Knebelverschlüssen und Gummikordeln am Zuschneidetisch und mit fünf Nähmaschinen Regenschutz-Überzüge für Fahrradsattel an. Diese Arbeit vom Zuschneiden bis zur Befestigung des „Schnellverschlusses“ fand in den Räumen des Studienhauses statt.


Der Erlös aus beiden Produktionen soll nach dem Willen der Studierenden dem „Theater Augenblick“ an der Außenstelle der Mainfränkischen Werkstätten für behinderte Menschen „Im Kreuz“, Industriegebiet WÜ-Ost, zufließen.


Studierende und Dozenten bedanken sich herzlich für die freundliche, unkomplizierte Aufnahme im Schullandheim. Wir haben ein sehr spannendes und lehrreiches, arbeitsreiches, aber auch lustiges Wochenende verbringen dürfen.

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